
Für die Erinnerung. Für die Klarheit. Für unser Heute.
Zum Erscheinen des Buchs «NS-Eugenik-Verbrechen und ihre Folgen»
Was heißt Heilen? Alles weg, alles gut? Nein, ich glaube nicht. Vielleicht zu Narben werden…

Wieder ein 7. November.
Nebel. Liddie.
Liddi Jenny Henkel geb. Möller.
Meine Oma.
Das Unfassbare.
Jedes Jahr aufs Neue.
Heute sind es 85 Jahre.
Ihre Tötung.
Noch kein Menschenleben her.
Das Leben wurde ihr genommen.
Ihr Menschenrecht.
Mein Papa schwieg. Außer, wenn ich ihn fragte. Hat seine Emotionen über seine Mutter nicht gezeigt. Wie auch – sie wären überwältigend gewesen und er wollte mich nicht mitreißen. Kann eine solche Wunde überhaupt heilen?
Was heißt Heilen?
Alles weg, alles gut?
Nein, ich glaube nicht.
Vielleicht zu Narben werden…
Liddi, wie warst du wirklich? Wer? Wie, ohne meine Stimme?
Diese 7 Jahre weggesperrt.
Gewiss gab es schon vorher viel Leid bis zu jenem Tag.
Doch das Leid soll nicht dein Andenken komplett überschatten.
Ich sehe dich zwischen den hohen Tannen im Thüringer Wald tanzen,
Vogelgesang lauschend, die Sonne einfangen.
Hast du?
Heute fühle ich Weh. Traurigkeit.
Unfassbar. Das organisierte Töten der wehrlosen Mitmenschen.
Ich lasse die Gefühle da sein.
Atme ein, atme aus.
Ein Teil von dir ist in mir, in meinen Zellen.
Ich atme aus, ich atme ein.
Vielleicht kein Heilen der Wunde, aber Veränderung.
Und ihr alle, ihr Wachen, Entrüsteten, wirkt mit an dieser Veränderung.
Heute. Hier.
Nutzen wir unsere Stimme!
«Stellt euch vor,
ich bin wiedergekommen.
Ihr erkennt mich nicht,
weil ich meine Gestalt verändert habe.
Aber meine Seele ist dieselbe;
meine Geschichte eingebrannt in meine Seelenhaut.
Und diesmal werde ich sprechen und ihr werdet mich hören.
Diesmal ist meine Zeit!
Denn nichts stirbt für ewig.
Wir ändern unsere Form, aber die Liebe bleibt.»
Text & Bilder: © Beate Henkel


Zum Erscheinen des Buchs «NS-Eugenik-Verbrechen und ihre Folgen»

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